Während La Cavalerie durch seine Stadtmauern beeindruckt, ist Viala-du-Pas-de-Jaux berühmt für ein ganz spezielles Bauwerk: den gewaltigen Wohnturm der Hospitaliter, der oft als „Leuchtturm des Larzac“ bezeichnet wird.
Der Ursprung: Ein Geschenk der Templer
Schon um 1150 schenkte der Herr von Tournemire das Land den Templern. Viala war damals kein eigenständiger befestigter Ort, sondern ein landwirtschaftliches Gut (eine „Grangie“), das der nahegelegenen Komturei von Sainte-Eulalie-de-Cernon unterstellt war. Es war das Herz der Schafzucht und Getreideproduktion auf dem Plateau.
Der „Phare du Larzac“ (Der Turm)
Nachdem die Johanniter (Hospitaliter) den Besitz im 14. Jahrhundert übernommen hatten, änderte sich die Sicherheitslage. Während des Hundertjährigen Krieges durchstreiften plündernde Söldnerbanden das Land.
- Die Notlösung: Da das Dorf zu klein war, um eine komplette Stadtmauer (wie in La Cavalerie) zu finanzieren, baten die Einwohner ihren Kommandanten um Erlaubnis für eine kostengünstigere Lösung.
- Der Bau (1430): Sie errichteten einen massiven, 27 bis 30 Meter hohen Turm. Dieser diente nicht nur als Wachturm, sondern als vertikale Festung.
- Die Funktion: Im Erdgeschoss befand sich ein Vorratslager (Speicherturm), während die oberen Stockwerke als Zufluchtsort für die gesamte Dorfbevölkerung und ihr Kleinvieh dienten.

Leben im Turm und kuriose Entdeckungen
Der Turm war ein Ort des Überlebens, barg aber auch Geheimnisse.
Die Falschmünzer-Anekdote: Bei Restaurierungsarbeiten entdeckte man in einer Nische (hinter den Latrinen im 2. Stock) Spuren einer Werkstatt von Falschmünzern aus dem 15. Jahrhundert. Sie prägten dort heimlich Kopien des „Hardi“, einer damaligen Währung, geschützt durch die dicken Mauern der Ritter.
Agropastoralismus und UNESCO
Heute ist Viala-du-Pas-de-Jaux ein Paradebeispiel für den Agropastoralismus des Larzac. Von der Spitze des Turms aus hat man einen 360°-Blick über die Landschaft und sieht die typischen Lavognes (gepflasterte Teiche für die Schafe) und die Drailles (uralte Viehtriebwege).
Was diesen Ort von La Cavalerie unterscheidet:
- Keine Stadtmauer: Hier setzte man alles auf ein einziges, monumentales Gebäude.
- Vertikalität: Man erkennt die Hierarchie der Ritterorden an der schieren Höhe des Turms, der weit über die kargen Ebenen ragt.

