Der Cromlech von Almendres (portugiesisch: Cromeleque dos Almendres) ist weit mehr als nur eine Ansammlung alter Steine – er ist eines der bedeutendsten Zeugnisse der frühen Menschheitsgeschichte in Europa.
Hier sind die wichtigsten historischen Hintergründe zu dieser beeindruckenden Anlage:
1. Älter als Stonehenge
Während Stonehenge in England weltberühmt ist, wurde der Cromlech von Almendres bereits Jahrtausende zuvor errichtet. Die Anlage entstand in drei Phasen, wobei die ältesten Teile bis ins 6. Jahrtausend v. Chr. (ca. 5000–4800 v. Chr.) zurückreichen. Das macht ihn etwa 2000 Jahre älter als seinen britischen Verwandten und markiert den Beginn der Megalithkultur in Westeuropa.
2. Die drei Bauphasen
Die heutige hufeisenförmige Anordnung ist das Ergebnis einer über Jahrtausende andauernden Nutzung und Erweiterung:
- Frühneolithikum (ca. Ende 6. Jt. v. Chr.): Es entstand ein kleinerer Kreis aus Steinen im Osten.
- Mittelneolithikum (ca. 5. Jt. v. Chr.): Zwei neue, konzentrische Ringe wurden im Westen hinzugefügt.
- Spätneolithikum (ca. 3. Jt. v. Chr.): Die Anlage wurde umgestaltet und erhielt ihre endgültige, eher ovale Form. Viele Steine wurden zu dieser Zeit mit Gravuren versehen.

3. Astronomische und rituelle Bedeutung
Die Ausrichtung der Steine ist kein Zufall. Die Anlage ist nach den Sonnenwenden (Solstitien) ausgerichtet.
- Die Achse der Anlage weist auf den Punkt am Horizont, an dem die Sonne zur Winter- bzw. Sommersonnenwende auf- und untergeht.
- Man geht davon aus, dass der Ort sowohl als astronomisches Observatorium als auch als heiliger Ort für Fruchtbarkeitsrituale diente. Die weite Sicht über die Ebene von Évora unterstreicht die exponierte, sakrale Lage.
4. Die Menhire und ihre Symbolik
Insgesamt besteht die Anlage heute aus etwa 95 Granitmonolithen. Einige davon sind besonders bemerkenswert:
- Gravuren: Viele Steine zeigen Reliefs wie Kreise, Linien oder Darstellungen, die an Hirtenstäbe erinnern.
- Der solitäre Menhir: Etwa 1,4 km nordöstlich steht ein einzelner, großer Menhir genau in der Sichtlinie zum Cromlech. Er bildet bei Sonnenaufgang zur Wintersonnenwende eine präzise Visierlinie mit dem Hauptkomplex.
5. Wiederentdeckung
Obwohl die Steine dort seit Jahrtausenden standen, gerieten sie in Vergessenheit und wurden teils von Vegetation überwuchert oder stürzten um. Erst im Jahr 1964 wurden sie von dem Forscher Henrique Leonor de Pina während der Arbeit an einer geologischen Karte Portugals wissenschaftlich „wiederentdeckt“ und später restauriert.
Ein interessanter Fakt am Rande: Die Region um Évora gilt als das „Zentrum des Megalithismus“ in Portugal. In unmittelbarer Nähe befinden sich auch die Anta Grande do Zambujeiro (eines der größten Ganggräber Europas) und der massive Menhir von Almendres.

