Die Templer waren einer der einflussreichsten geistlichen Ritterorden des Mittelalters und haben in ganz Europa tiefe Spuren hinterlassen.
Sie waren nicht nur Krieger im Heiligen Land, sondern auch große Landbesitzer und betrieben ein weitreichendes Finanznetzwerk. Ihre Stützpunkte in Europa nannte man Komtureien (oder Commanderien).
Hier sind einige der bedeutendsten Regionen und Orte der Templer in Europa:

Frankreich – Das Kernland
Frankreich war das Hauptzentrum des Templerordens, sowohl was die Anzahl der Komtureien als auch ihre strategische Bedeutung betrifft (etwa 700 der geschätzten 3000 Komtureien in Europa lagen hier).
- Paris (La Ville Neuve du Temple): Hier befand sich der europäische Hauptsitz und die Schatzkammer des Ordens. Die berühmte Turmburg „Temple“ wurde 1799 abgerissen, aber der Name lebt in Stadtteilen weiter.
- Payns (Champagne): Der Geburtsort des Gründers Hugues de Payns und eine der ältesten und wichtigsten Komtureien.
- Avalleur (Champagne): Eine gut erhaltene Komturei mit einer beeindruckenden romanischen Kirche.
- Richerenches (Vaucluse): Eine bedeutende landwirtschaftliche Komturei in Südfrankreich.
Spanien und Portugal – Der Iberische Schutzwall
In Spanien und Portugal waren die Templer entscheidend an der Reconquista (Rückeroberung der Halbinsel von den Mauren) beteiligt und erhielten dafür große Ländereien und Burgen.
- Tomar (Portugal): Die Christusritterorden-Burg (Convento de Cristo) ist der spektakulärste Templer-Standort. Nach der Auflösung des Templerordens wurde der Besitz in den Christusorden überführt, der als direkter Nachfolger gilt.
- Ponferrada (Spanien): Das imposante Castillo de Ponferrada war eine Templerburg, die den Jakobsweg schützte.
- Miravet und Monzón (Spanien, Aragón): Große und strategisch wichtige Burgen, die eine zentrale Rolle im Krieg gegen die Mauren spielten.
England
In England und Schottland besaßen die Templer ebenfalls ausgedehnte Ländereien.
- Temple Church (London): Eine wunderschöne Rundkirche in der Londoner City, die dem Templerorden gehörte.
Deutschland und Polen
Auch wenn die Präsenz in Deutschland nicht so dicht war wie in Frankreich, gab es wichtige Komtureien, die meist landwirtschaftliche und logistische Stützpunkte waren.
- Tempelhof (bei Berlin): Die Komturei gab dem heutigen Berliner Ortsteil seinen Namen.
- Mücheln (Sachsen-Anhalt): Eine Komturei, deren Besitz später an die Johanniter überging.
- Quartschen (Polen, ehemals Neumark): Die Templer übernahmen die Kontrolle über große Teile der Neumark.
Italien
In Italien dienten viele Standorte als wichtige Häfen und logistische Drehkreuze für die Truppen- und Gütertransporte ins Heilige Land.
- Brindisi, Trani, Messina: Wichtige Hafenstädte im Süden.
- Viterbo: Hier gab es einen Templerpalast.
Warum sind so viele Spuren verschwunden?
Die meisten Templergebäude in Europa sind Komtureien (Verwaltungs- und Wirtschaftszentren) und keine großen Burgen. Nach der Auflösung des Ordens im Jahr 1312 durch Papst Clemens V. ging der Großteil des Besitzes an den Johanniterorden über. Die Johanniter nutzten die Gebäude oft weiter, bauten sie um oder ließen sie verfallen. Nur an wenigen Orten, wie in Portugal und Spanien, blieben die Strukturen besser erhalten, da der Orden dort in einen Nachfolgeorden überführt wurde.

